Kreuzband-Operationen ...

Der in der Regel zu einer deutlichen Lahmheit führende Riß des vorderen Kreuzbandes, gehört zu den häufigsten orthopädischen Problemen des Hundes. Nach Studien von Wilke et al. 2005 betrugen die jährlichen Ausgaben alleine für Kreuzbanderkrankungen in den USA beim Hund im Jahre 2003 sage und schreibe 1.320.000.000 $ (beim Menschen 2.000.000.000 $ ) - also ein äußerst lukratives Geschäft, das sich auch im Preis für eine TPLO (Tibia Plateau Leveling Osteotomy) widerspiegelt.

TPLO Nein Danke !!!

Bei der von US – Amerikanern entwickelte TPLO erfolgt kein Bandersatz, sondern es wird der Schienbeinknochen (Tibia) zersägt und seine mit dem Oberschenkelknochen (Femur) artikulierende Fläche derart rotiert und anschließend mittels Stahlimplantat refixiert, dass ein Kreuzband nicht mehr nötig sei.
Schon die simple Vorstellung, daß nach dem Riß eines Bandes ein in der Regel gesunder Knochen zersägt wird, dürfte eigentlich schon abschrecken.
Vielleicht wäre es sogar noch nachvollziehbar, wenn es damit zu einer dauerhaften Konsolidierung des Kniegelenkes käme, ohne mögliche Komplikationen und Folgeschmerzen.
Leider entspricht das aber nicht der Realität. Mit Lahmheiten einhergehende Arthrosen nach dieser Operationsmethode sind auch hierbei nicht ausgeschlossen. Da das Knie trotz TPLO ohne Gewichtsbelastung weiterhin instabil bleibt, kann es zu einer Verletzung des medialen Meniskus kommen, sowie aufgrund der veränderten Biomechanik des Kniegelenkes zu einer schmerzhaften Entzündung des Binde – und Sehnengewebes im Bereich des Kniescheibenbandes (Desmitis der Patellasehne).

In experimentellen Versuchen mit Hundekniegelenken verschiedener Rassen (Kleinpudel, Boxer, Vorstehhunde, Deutsche Schäferhunde, Rottweiler und Berner Sennenhunde), bei denen ich diese Operationsmethode im Klinikum Rechts der Isar in München simulierte, konnte ich bereits 1997 mittels Translationsmessungen, die die Verschiebungen des rotierten Tibiakopfes relativ zum Femur registrieren („Schubladenmessung“), feststellen, daß alleine die Rotation des Tibiakopfes keine signifikante Instabilitätsverringerung bewirkt (Korrekturosteotomie der Tibia nach Ruptur des vorderen Kreuzbandes beim Hund. Facharani et al. 1997).

Bei der TPLO beträgt die Erfolgsrate nur zwischen 72 % und 90 % , bei einer Komplikationsrate von bis zu 28 % ( wissenschaftliche Studien von McCarthy 2006 und Boudrieau 2009). Nach Pacchiana et al. 2003 und Stauffer et al. 2006 führen im Vergleich zu der von uns durchgeführten Operationstechnik die Osteotomiemethoden, bei denen also der Knochen zersägt wird, wie z.B. die TPLO und TTA (Tibia Tuberosity Advancement) zu deutlich höheren Raten an schweren Komplikationen - und das alles bei einem Preis von etwa 2000.- € - pro Kniegelenk versteht sich !!!

Wir denken daher, daß aufgrund der möglichen Folgen, und in Anbetracht der extrem hohen Kosten dieser Operationstechnik (nicht zuletzt wegen eines US – Patentrechtes auf dem Erwerb des Instrumentariums, sowie für die Durchführung dieser Operationsmethode), sich diese Operation im Vergleich zu anderen, langfristig nicht durchsetzen wird.
Erwähnenswert ist auch die Tatsache, daß es bereits wieder Weiterentwicklungen auf diesem Gebiet gibt, (warum wohl ?) wie zum Beispiel die TTA , eine Osteotomie zwecks Kranialverlagerung der Tuberositas tibiae, sowie die TTO (Triple Tibia Osteotomy), eine Kombination aus TPLO und TTA. Aber auch diese Methoden sind wegen der hohen Komplikationsrate nicht zu empfehlen.

Grundsätzlich braucht man Katzen, sowie Hunde die ein Körpergewicht von maximal etwa 15 Kg haben mit einem isoliertem Kreuzbandriß, bei sonst orthopädisch unauffälligem Befund nicht zu operieren. Diese Tiere können in der Regel konservativ sehr gut behandelt werden. Wer Ihnen etwas anderes diesbezüglich erzählt, hat entweder keine Ahnung, oder könnte es womöglich auf Ihren Geldbeutel abgesehen haben !

Selbst bei uns Menschen, die die Kniegelenke aufgrund des aufrechten Ganges mehr belasten als Hunde, werden operative Methoden bei einem isoliertem Kreuzbandriß nicht immer eingesetzt – und falls doch, dann mit Rekonstruktion des gerissenen Kreuzbandes, häufig mit der „Healing - Response“- Technik – also keineswegs mit Zersägen eines Knochens.

Unsere Operationstechnik
Wenn wir den Riß des vorderen Kreuzbandes operativ versorgen, führen wir die seit 1992 bewährte Operation nach Meustege durch, d.h. eine kombinierte Kapsel – und Fascienimbrikationstechnik (intra- und extraartikulär) mit Cleaning – Up ( Entfernung der entzündungsfördernden, rupturierten Bandreste und evtl. der abgerissenen oder dislozierten Meniskusanteile, meist das Hinterhorn des medialen Meniskus, mit anschließender Gelenkspülung).
Grundsätzlich applizieren wir nach der Operation Hyaluronsäure intraartikulär zur Förderung des Gelenkstoffwechsels und bieten zusätzlich postoperativ eine bilaterale Goldakupunktur der Kniegelenke an, zur Verringerung der Gefahr einer Arthrose und eines möglichen Risses des kontralateralen vorderen Kreuzbandes.
Mit dieser Operationstechnik operieren wir Hunde mit einem Körpergewicht zwischen 15 Kg und etwa 70 Kg. Die Erfolgsrate unserer Operationstechnik liegt zwischen 84 % und 92 %, mit einer Komplikationsrate von max. 16 % (gemäß wissenschaftlicher Studien von z.B. Allgoewer im Jahre 2000, Meustege im Jahre 2002, Conzemius im Jahre 2005). Nach den Untersuchungen von Evans et al. 2006 ist die Wahrscheinlichkeit mit unserer Operationsmethode dem Hund zu helfen, doppelt so hoch als mit der TPLO.
Unser Preis für die Knieoperation beträgt 798 .- € inkl. Steuern und einer postoperativen 80 tägigen Versorgung des Tieres mit einem glukosamin – und chondrotinsulfathaltigem Präparat. Wenn postoperativ zusätzlich eine Goldakupunktur der Kniegelenke von uns durchgeführt werden soll, beträgt der Gesamtpreis 1080.- € inkl. Steuern.